Der Weg war lustvoll, wenn auch nicht ganz unproblematisch. Viele kleine Schritte wurden unternommen – von einer Idee bis zum definitiven Linz0nein-Programmbuch.
Dem Programmbuch ohne stattfindenden Programm. Nun, jetzt liegt es uns druckfrisch vor und bietet allen Interessierten einen ausschnitthaften Einblick in das nicht erlebbare europäische Kulturhauptstadtjahr; es sind Projekte, in die von uns in keinster Weise eingegriffen wurde und die nicht Teil des offiziellen Programms geworden sind. Sie sind herzlich eingeladen sich Zeit zu nehmen um zu schmökern, in Folge beglückt oder enttäuscht zu sein, sich jedenfalls und wenigstens inspiriert zu fühlen von den Beiträgen unserer wunderbaren GastautorInnen, die ohne Zögern, aber mit Freude und/oder auch Zorn dieses extraordinäre Linz0nein-Buch bereichert haben.
Wir können mit Stolz festhalten, dass unsere Aktivitäten schon lange vor dem europäischen Kulturhauptstadtjahr begonnen haben. Wir wärmen uns nicht mehr auf, wir sind schon lange warm gelaufen und manche von uns sogar richtig heiß, im Dauerlauf sogenannter Kulturarbeit! Wer so lange läuft, weiß wie man sich Ressourcen und Energien einteilen muss, um nicht schon vorzeitig vor Erschöpfung und vor einem selbstgesteckten Ziel zusammenzubrechen, denn auch diese eindrückliche Erfahrung haben einige gemacht.
Wir wissen nicht, wie sich ein Jahr eines sogenannten „kulturellen Ausnahmezustands“ anfühlen wird, doch zu befürchten bleibt, dass unsere Kassandra-Rufe einfach verhallen werden. Schließlich begleitet uns diese Entwicklung der Kunst- und Kulturproduktion, die sich geschmeidig an jegliche Auftragslage und um wirtschaftliche und inhaltliche Interessen von AuftraggeberInnen schmiegt, schon seit langer Zeit. Das geht soweit, dass Subversives zur Messe für Alle wird. Mit den Eröffnungsfeierlichkeiten zum Jahreswechsel durften wir einen ersten Vorgeschmack einer in erster Linie baustellenträchtigen, wie elitären Umsetzung erfahren - und Gast sein, in der Stadt, in der wir zur Zeit leben und arbeiten.
Die Stadt Linz, das Land OÖ und die Republik – „Wir sind schließlich Kaiser“ – haben alles daran gesetzt, ideale Bedingungen zu schaffen, nur um Fehler anderer europäischer Kulturhauptstädte erfolgreich zu wiederholen. Damit Selbstironie auf Übertreibung trifft?
In unserem Linz0nein-Programmbuch ohne Programm, das sich die Freiheit zur Kunst nimmt, zu sammeln, was nicht Teil der Kulturhauptstadt 2009 in Linz geworden ist, ist auf jeden Fall eines gelungen: ein exklusives, wie ausschließendes Buch zu publizieren, von dem wir überzeugt sind, dass es so eines weder in Salzburg, noch in Innsbruck und schon gar nicht in Wien gegeben hätte.
Die Kulturhauptstadt Linz setzt auf das, was die Stadt nicht mitbringt. Linz holt sich den berühmt-berüchtigten Blick von außen, der alles neu und anders machen soll. Wir schauen zu und beobachten das Spektakel mit Argusaugen – berechtigt.
Zwar kennt jede das Phänomen in einer fremden Stadt alles besser, aufregender und interessanter zu finden oder gar freundlicher behandelt zu werden, zumindest temporär, zumindest als Gast. Oder etwa und besonders auch als GastkulturarbeiterIn oder GastkünstlerIn. Andere Personengruppen werden ja generell so gut wie nicht berücksichtig in so einem Jahr. Außer das Geldbörsel sitzt locker, dann ist „Jedermann“ willkommen, auch in Nicht-Salzburg.
Wenn wir den Claim „Verändert Linz!“ beanspruchen, dann meinen wir es ist jetzt Zeit auf Reisen zu gehen und wiederzukommen - spätestens 2010, wenn wir wieder mit einem Normalzustand rechnen können, wenn wir Glück haben. Ein Normalzustand zeigt sein wahres Gesicht und in Linz gibt es viele offene Baustellen und Kultur, für die man keinen Eintritt zahlen muss. Es mag wohl sein, dass Kultur einen Wandlungsprozess antreibt, wenn an ein Entwicklungsprinzip, im Sinne eines Weiter, eines Mehr, Bunter oder Höher geglaubt wird. Aber verkaufen sich die immer gleichen Spielregeln noch immer erfolgreich?
Linz0nein ist kein Kulturfest, sondern Stadtentwicklung und die dauert eben länger als ein Ei mit zwei Dottern aufzuschlagen. Wir wollen den Beweis antreten, dass ein Jahr dauernde europäische Kulturhauptstädte verzichtbar sind. Für den Alltag einer Stadt, ebenso wie für ihre Feiertage.
Also kommen Sie nach Linz, wenn Sie es sich noch leisten können – wann immer Sie wollen! Aber glauben Sie nicht, dass Sie Linz kennen lernen, wenn Sie 2009 zu Gast sind. Versuchen Sie zu bleiben! Wir haben Industrie, Natur und Kultur und können mehr EinwohnerInnen brauchen.
Belinda Hofer ist eine Fakeidentität. Im richtigen leben ist sie Kunst und Kulturschaffende in Linz